Rauchen erhöht das Parodontitis-Risiko enorm!

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Mann hält Zigarette

Dass das Rauchen von Zigaretten schädlich ist, weiß jeder. Seit geraumer Zeit lehren uns die Bilder auf den Zigarettenschachteln, welche Krankheitsrisiken der vermeintliche Genuss mit sich bringt.

Betrachtet man die Angelegenheit aus historischer Sicht, so ist es ziemlich erstaunlich und doch eine logische Konsequenz, das der pro Kopf Verbrauch an Zigaretten von über 4.000 Zigaretten in den 1960er Jahren, auf unter 2.000 Zigaretten in den 2000er Jahren gesunken ist.

Trotz immer stärkeren Auflagen ist und bleibt das Rauchen jedoch genauso schädlich. In diesem Beitrag gehen wir auf die Auswirkungen des Rauchens auf die Zähne ein und erklären, wieso Raucher statistisch häufiger an Parodontitis erkranken.

Statistik: Raucher haben mehr Zahnprobleme

Frauen im Alter von 20 bis 39 Jahren, die Zigaretten rauchen, haben etwa die doppelte Chance, an einer Parodontoseerkrankung zu erkranken oder Zahnprobleme zu bekommen wie Nichtraucher. Insgesamt ist das Rauchen wahrscheinlich der bedeutendste, modifizierbare Risikofaktor für Parodontitis. Die Häufigkeit der Parodontoseerkrankungen beträgt 5 Prozent bei Nichtrauchern, 10,8 Prozent bei ehemaligen Rauchern und 15,9 Prozent bei aktuellen Rauchern.

Die Fakten deuten darauf hin, dass mehr als die Hälfte der chronischen Parodontitisfälle in Europa auf das Zigarettenrauchen zurückzuführen sind. Es gibt eine Fülle von wissenschaftlichen Beweisen dafür, dass das Rauchen eine additive Wirkung auf das Fortschreiten der Parodontitis hat und der Heilung nach der Parodontaltherapie nicht unbedingt zugute kommt.

Frühe Studien zu Parodontoseerkrankungen

Eine der frühesten Studien, die einen Zusammenhang zwischen Rauchen und parodontaler Gesundheit aufzeigten, wurde an Soldaten der schwedischen Armee durchgeführt. Die Personen, die rauchten, hatten ein höheres Risiko für Zahnfleischentzündungen, aber es wurden keine Unterschiede beim Knochenschwund oder einer erhöhten Parodontaltaschenbildung festgestellt.

Eine weitere Studie zeigte jedoch, dass die alveoläre Knochenhöhe bei Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern signifikant reduziert wurde. Ebenso zeigte sich, dass Raucher 2,7-mal häufiger eine mittlere bis fortgeschrittene Parodontoseerkrankung aufwiesen. Auch das Rauchen erhöht nachweislich deutlich das Risiko eines Zahnverlustes durch Parodontose.

Der Effekt ist auf jeden Fall dosisbedingt, wobei starke Raucher ein höheres Risiko für Zahnverlust durch Parodontose aufweisen als Nichtraucher und leichtere Raucher.

Pathologie des Rauchens und Parodontoseerkrankungen

Eine Hypothese für die erhöhten parodontalen Veränderungen bei Rauchern ist, dass die parodontalen Taschen von Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern tendenziell anaerober sind. Eine anaerobe Umgebung beschleunigt das Wachstum von parodontalen Krankheitserregern und fördert die Bildung von Plaque.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Wirkung des Rauchens auf das Parodontalgewebe jedoch sowohl die Mundflora, als auch die Reaktion des Wirtes (der Mundraum) auf Infektionen beeinflusst. Beispielsweise neigen Raucher dazu, eine depressive Anzahl von T-Helfer-Lymphozyten zu haben, die wichtige Zellen des Immunsystems sind, um die zellvermittelte Immunität und die Aktivität von B-Lymphozyten zu regulieren.

Darüber hinaus benötigt der Wirt funktionelle Neutrophile, um mit bakteriellen Infektionen effektiv umzugehen. In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass Tabakrauch eine schädliche Wirkung auf verschiedene neutrophile Funktionen hat. So hat sich beispielsweise gezeigt, dass das Rauchen die Chemotaxis und Phagozytose von oralen und peripheren Neutrophilen beeinträchtigt.

Neutrophilen finden sich in entzündlichen Läsionen, insbesondere in akuten Läsionen, wo sie sich an der Verletzungsstelle konzentrieren. Sie werden durch einen Prozess namens Chemotaxis chemisch an den Standort angezogen. An der Verletzungsstelle verschlingen Neutrophile dann (Phagozytose) und töten die meisten Mikroorganismen und neutralisieren andere schädliche Stoffe.

Es hat sich gezeigt, dass eine beeinträchtigte neutrophile Funktion zu einer stärkeren parodontalen Zerstörung beitragen kann.

Anzeichen und Symptome

Es hat sich auch gezeigt, dass viele Zahnfleischentzündungen eindeutig mit dem Rauchen zusammenhängen, aber es wurde kein Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nachgewiesen.

Es wird angenommen, dass sowohl das vermehrte Rauchen als auch die Zahnfleischentzündung in Kombination das Ergebnis von psychischem Stress sein können. Die Erkrankung betrifft in erster Linie den freien Zahnfleischrand, den Kamm der Gingiva und die Interdentalpapillen. Selten können sich die Läsionen auf den weichen Gaumen und die Tonsillarbereiche ausbreiten, was zu dem Zustand führt, der als Angina Plaut-Vincent bekannt ist.

Fazit: Ursache bewiesen, Wirkung unbekannt!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Mechanismus, mit dem das Rauchen den Verlust der parodontalen Bindung induziert, derzeit unbekannt ist. Unabhängig davon, ob es sich um direkte Wärme von der Zigarette, die vasoaktive Reaktion von Nikotin oder eine Veränderung der Wirtsreaktion auf parodontale Krankheitserreger handelt, kann man noch keine aufschließende Antwort auf die Frage geben.

Es hat sich gezeigt, dass das Rauchen nicht nur das Risiko der Parodontoseerkrankung erhöht, sondern auch die Reaktion des Zahnfleischgewebes auf die Parodontaltherapie verringert, was zu einer größeren Häufigkeit von refraktären Erkrankungen führt.

Darüber hinaus wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen, dass die Raucherentwöhnung zu einer verbesserten parodontalen Gesundheit und einem verbesserten Ansprechen auf die Parodontaltherapie führt und damit die allgemeine Gesundheit verbessert.

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